Den Menschen ein Wohlgefallen?

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(c) Martin Beckmann

(c) Martin Beckmann

Kurz vor Weihnachten wird die Welt besinnlich. In den Wohnzimmern werden Weihnachtsbäume geschmückt, hölzerne Pyramiden drehen sich über roten und goldenen Kerzen, und vor lauter Weihnachtsfreude wollen nicht wenige über Paris einen goldenen Stern des Klimaschutzes gesehen haben. Doch verspricht das Paris Agreement, das auf der 21. Weltklimakonferenz abgeschlossen wurde, wirklich die Erlösung von den Sünden der Welt? Kommt der seit der gescheiterten Konferenz von Kopenhagen siechende Klimaschutz nun doch wieder auf die Beine? Immerhin, mit dem Bekenntnis, den Anstieg der Erderwärmung bis zum Jahr 2100 auf deutlich weniger als 2 Grad zu begrenzen, optimaler Weise sogar auf nur 1,5 Grad, haben sich die Parteien der Klimarahmenkonvention ein ehrgeiziges Ziel gesteckt. Es ist auch nicht zu unterschätzen, dass diesmal so gut wie alle Staaten eigene Verpflichtungen akzeptiert haben. Während in dem hoch gelobten Kyoto-Protokoll nur einige Staaten, nämlich die klassischen Industriestaaten, Minderungspflichten trugen, haben sich nun so gut wie alle Staaten eigene Ziele gesetzt und gemeldet, was sie für die Begrenzung der Erderwärmung tun möchten.

Doch erfüllt sich bereits darin die Verheißung, die menschengemachte Erwärmung der Erdatmosphäre wirklich wirksam zu begrenzen und damit die Wünsche derer zu erfüllen, die eine Verwüstung und Versteppung in vielen Weltregionen, den Untergang kleinerer Inselstaaten und eine Zunahme von Stürmen, Fluten und anderen Naturkatastrophen befürchten? Denn so positiv das Paris Agreement auf den ersten Blick anmutet, so weit erscheint der Weg zum Ziel noch, schaut man genauer hin. Was, so kritisieren Skeptiker, ist gewonnen, wenn die Staaten eine weiteres Mal nur „sollen“ und nicht „müssen“? Es fehle wieder an konkreten Maßnahmen und Instrumenten. Das Paris Agreement bestehe, so heißt es, aus vielen schönen Worten und wenig harten Verpflichtungen. Und so vorteilhaft es auch klingt, dass nun auch die Entwicklungsländer ihr Scherflein beitragen: Dort, wo Geld fließt, sieht das Paris Agreement wiederum nur die klassischen Industriestaaten in der Pflicht. Aber auch wenn das Paris Agreement damit nicht der leuchtende Stern von Bethlehem des Klimaschutzes sein mag: Es ist unbestritten ein großer Erfolg der Klimadiplomatie, dass der Prozess zur Rettung des Weltklimas nicht endgültig beendet wurde, sondern eine neue Etappe genommen hat. Ein Weihnachtswunder mag der Vertragstext damit noch nicht sein. Aber gleichwohl: Nach Jahren des Stillstandes freut sich die Welt nun über einen deutlichen Fortschritt hin zu einem wirksamen Klimaschutz, der nicht ausgerechnet die aktuell größten Emittenten außen vorlässt.

Insgesamt handelt es sich bei dem Paris Agreement damit vielleicht nicht um das historische Ereignis, als das es bejubelt wurde. Doch immerhin: Als ein wichtiger Schritt über das bisher Erreichte hinaus verdient das Abkommen jeden Applaus. Auch, wenn in Paris damit noch nicht der Weihnachtsbaum angezündet wurde, so handelt es sich doch mindestens um die nach Kyoto zweite Kerze am Adventskranz.

Ganz abseits von Energie, Klima und Jura wünschen wir Ihnen einen funkelnden Weihnachtsbaum, fröhliche, friedliche Weihnachtstage und ein schwer bepacktes Christkind.

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