Die neue EU-Strategie zur Weiterentwicklung und Verbesserung der Wärme- und Kälteversorgung: Energieeffizienz (Teil 2)

Download PDF
(c) BBH

(c) BBH

Im ersten Teil unserer Blog-Reihe zum Winterpaket der Europäischen Kommission haben wir aufgezeigt, was grundsätzlich auf die Wärmewirtschaft zukommen könnte. In dieser Fortsetzung nehmen wir uns die Bereiche im Detail vor.

Synergien durch Verzahnung mit Stromsektor

Besonders wichtig scheinen der Kommission die möglichen Synergien zu sein, die durch die Verlinkung des Strom- und des Wärme- bzw. Kältemarktes erzielbar sind. Beispielsweise könne der außerhalb der Hauptlastzeiten produzierte Strom zur Wärmespeicherung genutzt werden.

Nach Aussage der Kommission werden trotz des – auch durch die Emissionshandelsrichtlinie geförderten – Umstellungsprozesses auf CO2-ärmere Energieproduktion auch im Wärme- und Kältesektor noch zwei Drittel der Wärme und Kälte durch fossile Brennstoffe erzeugt. Hiervon entfällt etwa die Hälfte auf Erdgas. Die Kommission macht in ihrem Papier darauf aufmerksam, dass der Wärme- bzw. Kältesektor und die Stromproduktion sich gegenseitig stützen und die Synergien besser nutzen müssen. In diesem Zusammenhang weist die Kommission darauf hin, dass die Technologien zu einer besseren und umweltfreundlichen Wärme- und Kälteversorgung bereits bestehen. Ohne viel Geld in neue Infrastrukturmaßnahmen investieren zu müssen, ließe sich daher bereits schnell viel bewirken. Dies würde auch der Wirtschaft und dem Endkunden nutzen. Konkrete Maßnahmen über diesen allgemeinen Appell an die Branche zur Modernisierung lässt die Kommission an dieser Stelle jedoch nicht anklingen.

Effizienzsteigerungen durch wirtschaftliche Anreize

Es fehlt nach Ansicht der Kommission auch an attraktiven Finanzierungsmöglichkeiten für Gebäudeinstandhaltungen und -renovierungen. Hier soll das Budget der Europäischen Union deutlich erhöht werden. Insbesondere für die Förderung von Erneuerbaren Energien zur Wärme- und Kälteerzeugung sollen mehrere Hundert Millionen Euro bereitgestellt werden. Jedoch weist die Kommission ausdrücklich darauf hin, dass die öffentliche Finanzierung nicht die tragende Rolle spielen kann und auch nicht sollte. Der Energieeffizienzmarkt müsse für Investitionen attraktiver werden. Dies allerdings wirft die Frage auf, ob die skizzierten Maßnahmen unter diesen Umständen realisiert werden können. Denn im Bereich der Gebäudesanierung stellt sich seit langem die Frage, welche Anreize gesetzt werden können, wenn Mehrkosten dem Vermieter wenig Vorteile bieten, da die Nebenkosten für ihn durchlaufende Posten darstellen. Während gleichzeitig die Mieter kein Interesse daran haben, das Eigentum ihres Vermieters durch eigene Sanierung zum Beispiel der Fenster und Türen aufzuwerten.

Seit 2015 sollen nun auch Wärmeerzeugungsanlagen mit einem Effizienz-Rating versehen werden. Durch diese Labels soll nunmehr ersichtlich sein, welche Anlagen besonders energieeffizient sind. Auch dies soll CO2-Emissionen sparen helfen; die Kommission geht hier von einer Reduzierung von 135 Mio. t CO2 bis 2030 aus. Klimaanlagen werden meist noch elektrisch betrieben. Hier geht die Kommission von einer möglichen Verringerung des CO2-Ausstoßes in Höhe von 9 Mio. t aus, ohne allerdings klar zu sagen, ob diese Verringerung in erster Linie durch Anreize oder Auflagen motiviert werden soll.

Kraft-Wärme-Kopplung und Abwärme

Um die gesetzten Dekarbonisierungsziele erreichen zu können, müsse auch die Gebäudetechnik besser werden. Durch die Kontrolle und die Erhöhung der Flexibilität für Systeme der Wärme- und Kälteversorgung könne sich bereits die Effizienz steigern lassen. Gleiches gelte für die Industrie.

Ebenso bemängelt die Kommission die bislang in der EU unzureichende Nutzung von industrieller Abwärme. Auch die Möglichkeit der Kraft-Wärme-Kopplung werde europaweit nicht hinreichend ausgeschöpft. Hier allerdings hat die Bundesrepublik Deutschland mit ihrem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) schon ein effizientes Instrument geschaffen. Es ist zu hoffen, dass die Kommissionsankündigung, KWK fördern zu wollen, künftigen Rückenwind für den weiteren Ausbau des effektiven Förderinstruments KWK ankündigt.

Ansprechpartner: Stefan Wollschläger/Ulf Jacobshagen