Die neue EU-Strategie zur Weiterentwicklung und Verbesserung der Wärme- und Kälteversorgung: Intelligente Häuser und Gebäudesanierung (Teil 3)

Download PDF
(c) BBH

(c) BBH

Die Europäische Kommission hat ein Strategiepapier zur Frage einer gesamteuropäischen Strategie der Weiterentwicklung und Verbesserung der Wärme- und Kälteversorgung entwickelt, das demnächst als Teil eines sog. Winterpakets veröffentlicht werden soll. Während wir im ersten Teil unserer Blog-Reihe skizziert haben, was dies für die Wärmebranche bedeutet, haben wir im zweiten Teil begonnen, die betroffenen Bereiche näher vorzustellen. Im dritten und letzten Teil schauen wir uns die Themen Intelligente Häuser und Gebäudesanierungen an.

Smart Buildings und Smart Grids

Enormes Potential sieht die Kommission darin, die Gebäudetechnik zu verbessern und die Kontrolle von Strom-, Wärme- und Kälteversorgung und Beleuchtung zu automatisieren. In derartige Smart Buildings zu investieren ist zwar relativ teuer, spart allerdings auf lange Sicht CO2 und Kosten. In diesem Zusammenhang müsse auch die Eigenversorgung – insbesondere durch Photovoltaikanlagen – gefördert werden.

Der Verbraucher soll im Zentrum der Entwicklungsstrategie des Wärme- und Kältemarkts stehen. Die Strategie soll moderne Technologien nutzen um ein intelligentes nachhaltiges Heizungs- und Kühlungssystem zu etablieren, das Firmen und Bürgern Energie und Geld spart. Hierfür sieht die Kommission Anpassungsbedarf in der Europäischen Gesetzgebung.

Steigerung der Energieeffizienz durch Gebäudesanierungen

Um den Wärme-, bzw. Kältemarkt effizienter und nachhaltiger zu machen, sieht die Kommission Entwicklungsbedarf auf regionaler und nationaler Ebene innerhalb eines europäischen Rahmens. Bisher haben die Mitgliedsstaaten schon nationale Energieeffizienzpläne aufgestellt, um die Nachfrage nach Wärme und Kälte zu reduzieren. Außerdem gibt es Investitionspläne für Gebäuderenovierungen; Kraft-Wärme-Kopplung und Fernwärme werden gefördert.

Einen wichtigen Anknüpfungspunkt sieht die Kommission in der Immobilienwirtschaft. Die Gebäuderichtlinie der EU gibt den Rahmen vor, in dem die Energieeffizienz von Gebäuden gesteigert werden kann. Die beruht auf einer einfachen Rechnung: Steigt die Energieeffizienz, sinkt die Nachfrage nach Energie. Die Sanierung und Isolierung von Gebäuden stellten einen wichtigen Ansatzpunkt für die Effizienzsteigerung – insbesondere im Hinblick auf die Wärmeversorgung – dar. Die Beheizung sowie die Klimatisierung von Räumen blieben weiterhin die wichtigste Nutzungsform der Wärme und Kälte. Hierbei werde deutlich, dass zahlreiche Gebäude nur unzureichend isoliert sind. Etwa zwei Drittel der Gebäude in der EU wurden errichtet, als Regelungen zur Energieeffizienz kaum oder überhaupt noch nicht existent waren. Auch wenn schon einfache Renovierungen und Isolierungsarbeiten viel bewirken könnten, würden solche Arbeiten aus verschiedenen Gründen nicht durchgeführt. Da die vorzunehmenden Isolierungsarbeiten sehr teuer sind, verändere sich die Situation nur marginal. Auch sei für viele Nutzer kaum erkennbar, wie viel sich durch besser renovierte und isolierte Gebäude im Hinblick auf die Temperatursteuerung der Räumlichkeiten tatsächlich sparen ließe.

Dieser die Energieeffizienz ebenfalls erhöhende Markt ist in der Europäischen Union nach Ansicht der Kommission unterentwickelt und muss gefördert werden. Auch weist die Kommission auf mangelnde Informationsweitergabe an die Gebäudeeigentümer und -nutzer hin. Im Durchschnitt fielen etwa 6 Prozent der Konsumausgaben aller Europäer auf die Beheizung und die Klimatisierung von Räumen, wobei 11 Prozent ihre Gebäude im Winter nicht genug beheizen könnten.

Insgesamt bleibt die Europäische Kommission bisher sehr allgemein. Gleichwohl: Es ist zu erwarten, dass die nun skizzierten Ziele in den nächsten Monaten und Jahren in konkrete Regelwerke gegossen werden. Die Wärmewirtschaft darf also hoffentlich mit Unterstützung klimafreundlicher und moderner Einrichtungen einerseits, andererseits aber auch mit einem Mehr an Regulierung rechnen.

Ansprechpartner: Stefan Wollschläger/Ulf Jacobshagen

PS: Sie interessieren sich für diesen Thema, dann schauen Sie gern auch hier.