Gasnetzbetreiber müssen Sprachkurs buchen

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(c) BBH

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Muss man eine gemeinsame Sprache haben, um miteinander reden zu können? Anders als für die EU mit ihren 23 Amtssprachen scheint für Gasnetzbetreiber die Antwort künftig „Ja“ zu sein.

Gasnetzbetreiber kommunizieren elektronisch mit den Marktgebietsverantwortlichen und tauschen Daten aus. Die so genannte EDI-Kommunikation bleibt eine Herausforderung, gerade für nachgelagerte Netzbetreiber. Erforderlich ist eine IT-Umgebung, welche die entsprechenden Nachrichten verstehen und verarbeiten kann – aktuell Nachrichten im Format EDIFACT, meist übermittelt via E-Mail. Doch jetzt hat der Verband der Europäischen Fernleitungsnetzbetreiber (ENTSOG) Ende Februar den Entwurf  für den Netzkodex Interoperabilität und Datenaustausch zur Konsultation gestellt.

Und in den Vorschlägen liegt Sprengstoff: Beim Datenaustausch soll künftig in XML statt EDIFACT und anstelle über E-Mail über http-Protokolle kommuniziert werden. Es gibt hier somit etwas ganz Neues: ein bislang wenig bekanntes, auf dem http-Protokoll aufbauendes Kommunikationsprotokoll namens „AS4“. Dieses soll für die dokumentgestützte Nachrichtenübermittlung von und an den Fernleitungsnetzbetreiber europaweit verbindlich gelten.

Besonders pikant: Das neue Datenaustauschsystem gilt nicht nur für Fernleitungsnetzbetreiber. Es betrifft ausdrücklich auch die elektronische Kommunikation mit Verteilernetzbetreibern, Händlern, Industriekunden und Speicherbetreibern.

Auswirkungen auf die Bereiche Kapazitätsmanagement, Bilanzierung und Netzkonto sind wahrscheinlich, da hier jeweils die Marktparteien direkt mit den Fernleitungsbetreibern Daten austauschen.

Mittelfristig könnte es die gesamte Marktkommunikation im Gasbereich vereinheitlichen – und damit zu einer Abspaltung vom Strom führen. Einheitliche  Lieferantenwechselprozesse (marktweit bekannt als GeLi Gas und GPKE) würden unmöglich. Selbst wenn es soweit nicht kommen sollte, gibt es Probleme, da dann Gasverteilernetzbetreiber dauerhaft in zwei Sprachen sprechen müssten: EDIG@S/XML  mit http/AS4 mit den Fernleitungsbetreibern und auch weiterhin EDIFACT mit EMail mit allen anderen.

Alle sind sich einig, dass sich die Marktkommunikation fortlaufend an die technischen Entwicklungen anpassen muss. Dabei – so dürfte man eigentlich erwarten – müsste für die Umsetzung genügend Zeit bleiben und alle Beteiligten, inklusive der Softwareunternehmen einbinden.

Doch beides sieht der Netzkodex nicht vor. Die Neuregelungen sollen noch in diesem Jahr verabschiedet werden und könnten schon zum Jahreswechsel 2014/2015 in Kraft treten. Wenig Zeit zum Sprache lernen.

Ansprechpartner BBH: Dr. Olaf Däuper/Christian Thole/Johannes Nohl
Ansprechpartner BBHC: Dr. Andreas Lied