Interviewreihe „Die Infrastruktur von morgen“: Heute mit Dr. Frank Brinkmann (ENSO/DREWAG)

Download PDF

(c) ENSO/DREWAG

Beim Thema Infrastruktur nimmt die Versorgung mit Energie traditionell eine wichtige Rolle ein. Das Energiesystem ist eine hochkomplexe Anordnung zahlreicher miteinander verzahnter Teilkomponenten. Die Erzeugungslandschaft mit konventionellen und Erneuerbaren Anlagen, der Netzbereich streng reguliert, der Verbrauch mit verschiedenen Umlagen belastet. Treten gravierende Netzschwankungen auf, wie im Juni dieses Jahres, werden wir aber an eine andere Eigenschaft unseres Energiesystems erinnert. Nämlich daran, dass die Versorgungssicherheit ein sensibles und bei weitem kein selbstverständliches Gut ist. In der 3. und letzten Ausgabe (siehe Teil 1 und Teil 2) unserer Interviewreihe „Die Infrastruktur von morgen“ im Vorfeld unserer Jahreskonferenz am 11. September sprechen wir mit Dr. Frank Brinkmann, Vorstandsvorsitzender der ENSO Energie Sachsen Ost AG und Sprecher der Geschäftsführung der DREWAG – Stadtwerke Dresden GmbH, über die Herausforderungen im Energiesektor.

Energieblog: Sehr geehrter Herr Dr. Brinkmann, der Titel unserer Jahreskonferenz lautet „Die Infrastruktur von morgen“. Wie sieht denn Energiewelt von morgen aus?

Brinkmann: Aus energie- und umweltpolitischer Sicht werden wir alles daran setzen müssen, unsere Ziele zu erreichen, also: 65 Prozent Erneuerbare Energien bis 2030 und 80 bis 95 Prozent weniger Treibhausgasemissionen bis 2050. Damit verbunden ist eine Reihe weiterer Fragen: Welche Rolle wird die konventionelle Erzeugung, Stichwort Gaskraftwerke und KWK, in Zukunft spielen? Bekommen wir den notwendigen Netzausbau parallel zum Ausbau der Erneuerbaren Energien hin? Wie schaffen wir Synergien mit anderen Sektoren, z.B. dem Verkehr?

Energieblog: Wo sehen Sie kommunale Unternehmen in diesem Szenario?

Brinkmann: Ich bin fest davon überzeugt, dass Stadtwerke auch in Zukunft eine feste Größe in der Energiewirtschaft sein werden. Gerade auch deswegen, weil Stadtwerke sich zunehmend nicht mehr nur als Energieversorger oder Energiedienstleister, sondern auch als Infrastrukturbetreiber begreifen, etwa im Bereich Glasfaserkabel, Elektromobilität oder im Wohnungsbau. Diese breite Aufstellung kombiniert mit der Verankerung in der Region ist das große Plus von Stadtwerken und kommunalen Unternehmen, der Markenkern wenn man so will.

Energieblog: Also das Stadtwerk als Marke?

Brinkmann: Ja, warum nicht? Dazu gehört auch, dass Stadtwerke in größeren Dimensionen denken sollten. Ich möchte durch die Fusion von ENSO und DREWAG die Stadt und das Umland in eine Region zusammen denken. Dadurch profilieren wir uns nicht nur als regionaler Infrastrukturbetreiber, sondern können an vielen Stellen Synergien heben und Prozesse verschlanken. Gleichzeitig übernehmen Stadtwerke natürlich auch die technische Mitverantwortung für die Versorgungssicherheit. Wir möchten hier eng mit den wissenschaftlichen Institutionen in Dresden zusammenarbeiten, um selbst Treiber von Innovationen zu werden. Wir planen außerdem den Neubau eines Kraftwerks, das Bedarfsschwankungen flexibel ausgleichen kann und schwarzstartfähig ist.

Energieblog: Was wünschen Sie sich von einer zukünftigen Energiepolitik?

Brinkmann: Grundsätzlich ist jedes Unternehmen seines eigenen Erfolges Schmied. Die Politik muss aber klare und eindeutige Rahmenbedingungen vorgeben. Das sehe ich aktuell nur sehr bedingt. Dazu gehört ein gewisses Maß an Investitionssicherheit. Dazu gehören aber auch ein klares Bekenntnis zur Energiewende und konkrete regulatorische Ableitungen.

Energieblog: Sehr geehrter Herr Dr. Brinkmann, herzlichen Dank für das Gespräch. Wir freuen uns auf die Fortsetzung im Rahmen unserer Jahreskonferenz.