Keine Angst bei IT-Problemen: Wie sich EVUs im Systemdschungel Orientierung verschaffen können

Wie kommt es, dass immer mehr Energieversorgungsunternehmen (EVUs) mit ihren IT-Softwarelösungen oder ihrem IT-Dienstleistern unzufrieden sind? Gründe gibt es viele, aber das IT-System oder den IT-Dienstleister zu wechseln verspricht nicht immer den Erfolg, da die Hintergründe, warum das System nicht zufriedenstellend läuft, mannigfaltig sind. Um nur einige davon zu nennen:

  • zunehmend komplexere Abläufe und regulatorische Anforderungen überfordern oftmals eine historisch gewachsene IT-Systemarchitektur (sowie mitunter auch die energiewirtschaftlichen Fachkompetenzen eines IT-Dienstleisters),
  • Geschäftsprozesse werden nicht mehr zeitgemäß und/oder durchgängig durch die IT-Lösungen abgedeckt, und zahlreiche Zusatzlösungen mit ihren Schnittstellen erschweren das Abarbeiten von Vorgängen sowie ein transparentes Controlling,
  • Fachbereichsleiter und Mitarbeiter sind im operativen Tagesgeschäft durch ineffiziente Prozessabbildungen, häufige Updates und ständige Fehler in den Softwareanwendungen chronisch überfordert.

EVUs, die ihre Software umgestellt haben, mussten oft schlechte Erfahrungen machen, zum Beispiel bei den regulatorisch ausgelösten Mandanten- oder Systemtrennungen. Das schreckt leicht davor ab, heute vielleicht aus anderen Gründen einen Wechsel des IT-Systems oder des IT-Dienstleisters in Erwägung zu ziehen.

Gleichzeitig steigt natürlich das Risiko, durch die zunehmende Fehleranfälligkeit des IT-Systems direkten oder indirekten wirtschaftlichen Schaden zu nehmen.

Viel von dem, was Regulierung und Best Practice heute den EVUs abverlangt, kann mittlerweile standardisiert werden und sollte eigentlich auch in dieser Form von den IT-Dienstleistern implementiert werden. Dies gilt vor allem für die Geschäfts-/Prozessbereiche im Rahmen der GPKE/GeLi bzw. der Marktkommunikation. Um die Orientierung zu erleichtern, haben wir Leitfäden und Strukturierungsmuster in Form modularer und erweiterbarer Kataloge zusammengestellt. Diese beschreiben auf standardisierter und objektivierter Basis die jeweils notwendigen und ggf. optionalen Komponenten, Funktionen und technischen Eigenschaften von optimierten, energiewirtschaftlichen IT-Anwendungslösungen. Sie stehen derzeit für folgende Prozess- und Softwareanwendungslösungsbereiche der Sparten Strom und Gas zur Verfügung:

  • Marktrolle Lieferant:  Abrechnung der Energieversorgungsleistungen inkl. Kundenbeziehungsmanagement/Kundenservice (optional Forderungsmanagement, Sperrwesen, Inkasso) und Marktkommunikation mit Verteilnetzbetreiber (VNB)/Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB)
  • Marktrolle Netz (VNB):  Registrierung, Durchführung und Abrechnung von Netznutzung, die Verwaltung (Beschaffung und Bereitstellung) der Netzzählerdaten inkl. Marktkommunikation sowie Gerätemanagement und Hausanschlusswesen
  • Energiedatenmanagement (EDM) für Netzbetreiber und Lieferanten:  Daten- und Fristenmanagement für Prognose, Beschaffung und Bilanzierung, Abrechnung von Energielieferungen, inkl. einer Basis für Zählerfernauslesung (ZFA) und Intelligente Messsysteme (Smart Metering)
  • Shared Services ERP für EVU:  Ressourcenverwaltung mit Beschaffung, Materialwirtschaft, Instandhaltung, Finanz- und Rechnungswesen (Hauptbuch, Schnittstelle Nebenbuch) und Controlling, (optional Personalwesen)

Die BBHC-Standard-Funktionskataloge sind prozessorientiert aufgebaut, anwendungsneutral und softwareherstellerübergreifend einsatzfähig. Angepasste Versionen der Kataloge sind für die Sparten Fernwärme, Wasser, Abwasser und Telekommunikation/Breitband-Infrastruktur auf Anfrage erhältlich.

Das Anwendungsspektrum dieser Kataloge ist außerordentlich vielseitig. So können Sie auf dieser Grundlage

  • den Grad der Funktionsabdeckung ihrer IT-Landschaft überprüfen und zielgerichtet in einen Benchmark zum Leistungs- und Kostenvergleich starten,
  • mit ihren bestehenden IT-Lösungslieferanten und IT-Dienstleistern in einen fachlich basierten, konstruktiven Dialog zur Verbesserung von Leistungen und Qualität eintreten,
  • am Anbietermarkt zielgerichtet mit einer strukturierten Markterkundung ermitteln, ob geeignete Alternativen oder Ergänzungen zur Weiterentwicklung und Verbesserung ihrer IT-Lösungslandschaft zur Verfügung stehen oder
  • auch bei Auffassungsunterschieden zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer in IT-Einführungs- bzw. -Realisierungsprojekten als objektivierenden Maßstab und Mittel bei Mediationsverfahren zur Verhinderung der weiteren Eskalation von Konflikten einsetzen.

Ansprechpartner: Dr. Andreas Lied/Dr. Andreas Jankiewicz