Die Energieagenten Versorgungs-GmbH meldet Insolvenz an

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Nach FlexStrom, Care-Energy und EnVersum hat die Energiebranche die nächste Insolvenz zu verkraften: Die erst im Jahr 2014 gegründete Energieagenten Versorgungs-GmbH hat Insolvenz beantragt, und am 7.6.2018 hat das Amtsgericht (AG) Bonn die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Rechtsanwalt Jens Fahnster aus Sankt Augustin. Vor allem Kunden von SAVERO Energie – einer seit Herbst 2016 bekannten Marke des Öko-Energieanbieters Die Energieagenten Versorgungs-GmbH – sind von der Insolvenz betroffen.

Netzbetreiber sollten schnell handeln

Die Amprion GmbH, TenneT TSO GmbH, die TransnetBW GmbH und die NetConnect Germany GmbH & Co. KG haben bereits die Bilanzkreisverträge gekündigt. Es ist sehr gut möglich, dass auch die verbleibenden Übertragungsnetzbetreiber und Marktgebietsverantwortlichen nachziehen. Die betroffenen Netzbetreiber sollten rasch handeln, um keine weiteren offenen Forderungen auflaufen zu lassen.

Dabei sollte man die Fallstricke des Insolvenzrechts meiden: Ein Insolvenzantrag an sich rechtfertigt noch nicht die Kündigung des Lieferantenrahmenvertrags! Es muss schon im Einzelfall Kündigungsgründe geben, aber wenn die vorhanden sind (oder entstehen, etwa bei Wegfall der verbleibenden Bilanzkreisverträge), dann sollten sie in Anspruch genommen werden. Auch um Schadensersatzansprüche zu vermeiden, ist es daher am sinnvollsten, unverzüglich und konform der Regelungen des Lieferantenrahmenvertrags (monatliche) Vorauszahlungen zu verlangen. Sollten diese ausbleiben, kann (unter weiteren Voraussetzungen) gekündigt werden.

„Neue Kunden“ in der Grund- und Ersatzversorgung

Grund- und Ersatzversorger müssen sich darauf einstellen, einzuspringen, wenn der Energieagenten Versorgungs-GmbH der Netzzugang entzogen wird. Zwar muss man dies den betroffenen Kunden aufwändig erklären. Aber wenn man ohnehin kommunizieren muss, kann man auch gleich die Gelegenheit nutzen, die Rolle und Zuverlässigkeit klarzustellen.

Sowohl Netz als auch Vertrieb sollten den Verlauf des Insolvenzverfahrens beobachten, um schnell und richtig zu reagieren. Ohnehin empfiehlt sich ein professionelles und konsequentes Debitorenmanagement und eine entsprechende Prozessoptimierung (wir berichteten); nicht nur für den Fall von Insolvenzen.

Ansprechpartner: Dr. Jost Eder/Jan-Hendrik vom Wege/Markus Ladenburger/Steffen Lux